Ich habe noch nie über Fleischgerichte geschrieben. Eigentlich bin ich keiner Vegetarier, mag aber Fleisch ehrlich gesagt nicht so gerne. Ich soll aber in der Zukunft versuchen die Fleischgerichte nicht zu ignorieren und davon auch berichten.

Einer der Gründe bei mir, warum ich überwiegend vegetarisch koche, ist das Fasten. Die Russische Orthodoxe Kirche verschreibt 4 lange Fastenzeiten im Jahr – nicht nur vor Ostern (wie auch in der Katholischen Kirche), sondern auch vor Weihnachten (07.01), vor dem Peter und Paul Tag im Juli (12.07) und vor der Mariä Aufnahme in den Himmel (28.08). Die Länge der Fastenzeiten ist jeweils unterschiedlich: das Weihnachtsfasten  dauert  40 Tage (vom 28.12 bis zum 06.01); vor Ostern – die Große Fastenzeit – 7 Wochen (fängt analog Westeuropa gleich nach dem russischen Karneval an); die Peter-und-Paul-Fastenzeit fängt eine Woche später nach Pfingsten und dauert bis zum 12.Juli (die Dauer ist also immer unterschiedlich). Im August dauert das Fasten genau 2 Wochen.

Das Fasten setzt einen vollen Verzicht auf Fleisch- und Milchprodukte (auch Eier) voraus. Während des Weihnachtsfastens und Peter-und-Paul-Fastens darf man aber Fisch essen. Unter der Woche sind mittags und freitags immer während des Jahres (nicht nur während großer Fastenzeiten) die strengsten Fastentage (also auch kein Fisch ist erlaubt).

Viele Russen halten zurzeit das Große Fasten nicht während des Glaubens sondern aus der Tradition. Jedoch, ohne Kirchenbesuch, Beten, Eucharistie und geistlichen Bemühungen macht es wenig Sinn, so die Kirche.  Das wichtigste vor allem ist „nicht Frikadellen, sonder Leute nicht zu essen“.  Der Verzicht auf Unterhaltung (z.B.  Fernsehen) etc. sowie Spenden und Unterstützung von Hilfsbedürftigen sind auch verordnet. Jeder soll auch für sich entscheiden vorauf er für diese Zeit verzichten kann und was Gutes er für andere Leute machen kann.

In so gut wie allen Restaurants und Cafés in Russland (und auch bei Aeroflot) kann man aber zu dieser Zeit Fastengerichte bestellen. Für die Leute, die arbeiten gehen, ist es durchaus wichtig die Ernährung während dem Fasten so durchzudenken, dass man nicht kraftlos wird und vor allem genug Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe konsumiert.  Für schwangere und stillende Frauen, Kinder und Schwerkranke ist das Fasten selbstverständlich ausgeschlossen. Die Ehebeziehungen sind ein besonderes Thema, das man mit dem Priester besprechen soll, da es beide Partner betrifft und die beiden damit einverstanden sein sollen.

Es gibt auch Kochbücher für die Fastenzeit, wo man viele Rezepte finden kann, die das Essen abwechslungsreich machen. Jedoch soll man auch damit nicht übertreiben und nicht zu viel Zeit fürs Kochen verbrauchen.